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Interview mit dem Schriftsteller
Andreas Eschbach

für stephen-king.de und BookOla.de

geführt von Gerald Schnellbach

Andreas Eschbach

Geboren 1959 in Ulm schreibt Andreas Eschbach seit seinem 12. Lebensjahr. Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis Juni 1996 war er als geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma, und ist seither als freier Schriftsteller tätig. Nach fast genau 25 Jahren in Stuttgart lebt er seit September 2003 mit seiner Frau in Frankreich.

1995 erschien sein erster Roman "Die Haarteppichknüpfer", der mit dem Literaturpreis des „Science Fiction Clubs Deutschland“ ausgezeichnet wurde. Sein zweiter Roman "Solarstation" erhält den renommierten Kurd-Laßwitz-Preis. Der endgültige Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman "Das Jesus-Video" der mit vielen literarischen Preisen ausgezeichnet wurde. Mittlerweile wurden auch seine weiteren Romane mit Preisen bedacht und die meisten erschienen auch im Ausland.

Die offizielle Homepage von Andreas Eschbach findet ihr hier.

Hallo Herr Eschbach,

es freut uns, dass Sie sich die Zeit genommen haben, ein paar Fragen zu beantworten. Fangen wir doch gleich einmal mit einer Frage zu Ihrem neuen Buch an.

Ihr neues Buch "Das Buch von der Zukunft – Ein Reiseführer" ist seit kurzem im Buchhandel erhältlich. Dabei handelt es sich diesmal aber nicht um einen Roman, sondern um ein Sachbuch, in dem Sie sich über die momentane Situation unter anderem in den Bereichen Gentechnik, Internet, Raumfahrt, Renten und Energiewirtschaft Gedanken machen und Ihre eigenen Zukunftsprognosen stellen. Wie kommt ein Schriftsteller der "Phantastischen Literatur" dazu ein Sachbuch über diese sehr irdischen Probleme zu schreiben?

Andreas Eschbach: ganz einfach man hat mich gefragt. Der Rowohlt Verlag kam mit dieser Idee auf mich zu und rannte offene Türen damit ein. Einmal einfach aufschreiben, wie ich denke, daß die Zukunft wird – die nächsten Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte. Das hat mich sofort gereizt.

Das Buch ist in der Jugendbuch-Reihe von Rowohlt erschienen. Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass es für jede Altersgruppe lesbar ist. Welche Zielgruppe wollten Sie jedoch in erster Linie erreichen?

Andreas Eschbach: Wie immer: Die "Eschbach-Leser". Das ist ein Geheimbund mit Tausenden von Mitgliedern jeden Alters, Geschlechts und Berufs, und für die schreibe ich.

Was ist beim Schreiben eines Sachbuchs anders als die Arbeit an einem Roman? Mussten Sie Ihre Arbeitsweise sehr umstellen? Auch im Bezug auf die Recherche?

Andreas Eschbach: Da die Zukunft seit jeher mein Leib- und Magenthema ist, war die Recherche ziemlich einfach: Ich mußte nur in meinen Bücherschrank greifen, da stand alles schon bereit. Ansonsten - natürlich ist es etwas anderes, ein Sachbuch zu schreiben, und man arbeitet da etwas anders, aber im Grunde finde ich Sachtexte einfacher zu schreiben als Romane. Das Buch war auch ziemlich zügig fertig, muß ich sagen.

Ihr Roman "Der letzte seiner Art" wurde 2004 mit allen wichtigen Preisen der "Phantastischen Szene" ausgezeichnet. Ein Roman, der Krimi-, Thriller- und Sciencefiction-Elemente vereint. Wodurch wurden Sie dazu inspiriert?

Andreas Eschbach: Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, weil es schon lange her ist - es muß Ende der Achtzigerjahre gewesen sein -, aber ich glaube mich zu erinnern, daß die Grundidee an einem Tag entstand, an dem zwei Dinge zusammenkamen: Nachmittags platzte der Kühler meines Autos, so daß ich es mitten in der Stadt stehen lassen und mit dem Bus heimfahren mußte und völlig ratlos war, was ich nun damit machen sollte. Und abends sah ich irgendeinen Film mit einem Cyborg, einem technisch aufgerüsteten Menschen, der dank dieser technischen Aufrüstung die Bösewichter besiegte. Es könnte sogar gut sein, daß es eine Folge des "Sechs Millionen Dollar Manns" war. Das löste bei mir eine Assoziationskette aus: Okay, mein Auto war schon über zehn Jahre alt, da geht schon mal was kaputt. Aber ich? Ich war schon über DREISSIG Jahre alt, und gemessen daran funktionierte eigentlich alles noch bestens. Auf einmal kam mir die Grundannahme aller Cyborg-Stories, die ich bis dahin gelesen oder gesehen hatte, ausgesprochen albern vor: Die Annahme, daß ein maschinelles Implantat eine Verbesserung wäre. Wie geht es so einem Cyborg eigentlich zehn Jahre später? fragte ich mich - und das war der Ausgangspunkt für den Roman.

Kürzlich haben Sie eine Kurzgeschichte für die Fußball WM 2006 geschrieben. Ich habe gelesen, dass sie nicht käuflich erwerbbar sein wird. Würden Sie in ein, zwei Sätzen etwas über den Inhalt erzählen und wie Sie dazu kamen, eine Geschichte über Fußball zu schreiben?

Andreas Eschbach: Es ist eine Geschichte über Außerirdische, die zur Erde kommen, weil sie an der Fußballweltmeisterschaft teilnehmen wollen. Die Idee dazu kam mir während der WM 2002, denn eigentlich bin ich kein Fußballfan - außer während einer WM, da packt es mich dann doch immer.

Nach der nächsten WM will ich mal das Projekt angehen, alle meine Kurzgeschichten - von denen ja etliche noch nicht einmal in Deutsch erschienen sind - in einem Band versammelt herauszugeben, und da wird dann diese Story auch dabei sein.

Einige Ihrer Bücher sind mittlerweile auch im Ausland erschienen. Unter anderem in den USA, in Polen, Italien etc. Wie sind die Reaktionen aus dem Ausland auf ihre Bücher?

Andreas Eschbach: Naturgemäß bekommt man davon weniger mit, vor allem, wenn diese Reaktionen in einer Sprache stattfinden, von der man absolut nichts versteht. Aber soweit ich etwas erfahre, sind es überwiegend positive Reaktionen. Die japanische Ausgabe des "Jesus Video" ist für einen japanischen SF-Preis nominiert worden, die türkische Ausgabe von "Eine Billion Dollar" wird raubkopiert - was, wie man mir versicherte, eine große Auszeichnung ist -, die französischen Ausgaben gewinnen Preise, viele fremdsprachige Ausgaben meiner Bücher erleben Nachauflagen, und es ist eher die Regel als die Ausnahme, daß ein ausländischer Verlag nach der Veröffentlichung des ersten Buches weitere von mir herausbringen möchte.

Trotzdem bleibt natürlich der deutschsprachige Markt der wichtigste für mich.

Wie finden Sie die filmische Umsetzung Ihres Romans "Das Jesus Video"?

Andreas Eschbach: Welche filmische Umsetzung? Sie sprechen nicht etwa von dem Film, der den gleichen Titel, aber eine völlig andere Handlung hat?

Ich mag die Filmmusik, und das damit untermalte Hörbuch ist ganz wunderbar geworden. Den Film selber sollte, wer das Buch mag, besser meiden.

Gibt es weitere Planungen für Verfilmungen Ihrer Bücher?

Andreas Eschbach: Ja. Neues Spiel, neues Glück. Auch wenn man als Autor keinen Einfluß darauf hat, wie der Film wird, so besteht doch immer Hoffnung.
Momentan laufen Optionen auf "Der Letzte seiner Art", "Eine Billion Dollar" und "Das Marsprojekt", mein erstes Jugendbuch. Mal sehen, was daraus wird.

Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Sie ihren Hauptwohnsitz vor einiger Zeit nach Südfrankreich verlegten. Ist es die schöne Gegend, das gute Essen, der Wein oder doch einfach nur der kalte deutsche Winter, der Sie dorthin verschlug?

Andreas Eschbach: Halt, da haben Sie nicht genau gelesen: Nicht Südfrankreich, sondern der entfernteste Westen - die Bretagne. Und wer hauptsächlich vor dem kalten deutschen Winter fliehen will und dann hier landet, der hat was falsch verstanden. Zwar haben wir hier praktisch keinen Schnee, dafür aber Winterstürme, die es in sich haben.

Hauptbeweggrund war eine gewisse Abenteuerlust. Nachdem mein Sohn mit der Schule fertig war, waren wir endgültig räumlich ungebunden und entschlossen, das auszunutzen. Daß es dann Frankreich wurde, dürfte damit zu tun haben, daß ich dank der alljährlichen Einladungen zu den UTOPIA-Festivals in Poitiers und Nantes die französische Lebensart schätzen gelernt habe. Das heißt nun nicht, daß hier alles besser ist. Einiges schon, aber das meiste ist einfach ANDERS, und das zwingt einen, viele Gewohnheiten zu hinterfragen, vieles neu zu lernen - nicht zuletzt die Sprache -, was einen erfrischenden, ich möchte fast sagen: verjüngenden Effekt hat.

Wir verstehen uns, um das noch anzumerken, nicht als Auswanderer, sondern als EU-Bürger, die das heranwachsende Europa austesten. Und siehe da, es funktioniert verblüffend gut

Was lesen Sie privat am liebsten?

Andreas Eschbach: Bücher, die mich fesseln. Allerdings ist leider immer schwer vorherzusagen, welches Buch das leistet. Ich folge der einfachen Strategie, das zu lesen, was mich im jeweiligen Moment aus meinen Regalen oder denen der Buchhandlung "anspringt", was zu einer sehr wilden Mischung führt: Auf einen Thriller folgt ein Kinderbuch, auf ein Sachbuch ein Perry Rhodan-Heft, und so weiter. Außerdem lese ich seit neuestem mit wachsender Begeisterung französische Comics, was mir nebenbei hilft, die Sprache besser zu lernen.

Für den Interview-Bereich auf Stephen-King.de möchten wir ihnen gerne auch eine Frage zu diesem Autor stellen. Haben Sie schon etwas von ihm gelesen?

Andreas Eschbach: Ja, sicher. Ich würde mich zwar nicht als ausgesprochener King-Fan bezeichnen, aber ich habe etliches von ihm gelesen, verfolge sein Schaffen und entdecke bisweilen mehr Ähnlichkeiten zwischen ihm und mir, als mir lieb ist.

Übrigens hat Stephen King ja auch allerhand grausige Verfilmungen seiner Romane erleiden müssen.

Wie finden Sie seine Bücher?

Andreas Eschbach: Durchwachsen. Ohne Zweifel ist er ein ganz großartiger Erzähler, und wie er Alltägliches schildern kann - was ja die ganz große Herausforderung beim Schreiben ist - das ist schon bewundernswert. Seinen Horror allerdings finde ich bisweilen etwas kleinkariert.
Manchmal habe ich das Gefühl, da schleicht einfach ein Wesen herum, das sich von, sagen wir, einem Bären nur dadurch unterscheidet, daß es nicht in Grzimeks Tierlexikon vorkommt.

Aber manchmal erwischt er auch ein wirklich schauriges Thema. Mein Favorit ist und bleibt der "Friedhof der Kuscheltiere". Abgesehen von seinem grandiosen Buch "On Writing".

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Andreas Eschbach: Ich habe eben meinen neuen Roman für Lübbe fertiggestellt, der im Herbst 2005 erscheinen soll, und schreibe nun gerade an der Fortsetzung des "Marsprojekts", des ersten meiner Jugendromane. Der Verlag hat endlich zugestimmt, eine Serie daraus zu machen, und der zweite Band wird irgendwann im Frühjahr auf den Markt kommen.

Wir bedanken uns noch einmal für die Beantwortung der Fragen und wünschen Ihnen für alle anstehenden Projekte viel Erfolg.

 

 

Hier eine Auswahl von Büchern bei Amazon:

Das Buch von der Zukunft

Der letzte seiner Art

Das Jesus Video

Exponentialdrift

Das Marsprojekt

Eine Billion Dollar

 

© by www.stephen-king.de / Klaus Spangenmacher und Gerald Schnellbach

   
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