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Demons and Wizards

"Touched by the Crimson King"


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CD-Rezension von Henri Kramer für www.powermetal.de

 

"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm." So begann im Jahre 1982 der Revolvermann Roland von Gilead seine surreale Suche nach dem "Dunklen Turm" in Stephen Kings gleichnamigen, sieben Bücher umfassenden Fantasy-Epos - ein Werk, das durch seine Komplexität und die Verbindung von Wild-West-Flair, Endzeitatmophäre und Horrorschinken zu dem großen King-Epos überhaupt wurde. Das Thema scheint auch den bekennenden King-Fan und BLIND GUARDIAN-Sänger Hansi Kürsch gereizt zu haben, nicht umsonst widmen sich gleich mehrere Songs des aktuellen DEMONS & WIZARDS-Albums "Touched By The Crimson King" den tausenden Seiten des "Dunklen Turm"-Zyklus. Die fantastische Geschichte scheint zudem Kreativitätsschübe bei Kürsch und seinem Mitstreiter, dem ICED EARTH-Gitarrist Jon Schaffer, ausgelöst zu haben - "Touched By The Crimson King" stellt nämlich besonders die letzten beiden Scheiben der vereisten Erde in den Schatten und reicht sogar an das Monumentalwerk "A Night At The Opera" der blinden Gardinen heran.

Mit weiblichen Chorälen und dem typischen ICED EARTH-Riffing startet das Album in den genialen Opener 'Crimson King', der schnell, düster, hymnisch und mystisch klar macht, dass selbst klassischer Power Metal in gewisser Weise modern und unverbraucht klingen kann. Die Stimme von Kürsch dominiert zusammen mit dem Riffing von Schaffer diesen wie auch die anderen Songs, die beiden Musiker geben DEMONS & WIZARDS einen unverwechselbaren Charme, fernab von einem bloßen Allstar-Projekt für die schnelle Kohle. Besonders der Refrain von 'Crimson King' sticht hervor: Ein Gedicht aus schnellen Gitarren und herrlichem Gesang, versetzt mit Chören, göttlich ... Auch das hymnische 'Beneath The Waves' und der furiose Klopper 'Terror Train' - "Blain, der Mono" in Stephen Kings Buch - halten mühelos die hohe Qualität der Scheibe aufrecht. Die wunderschöne Ballade 'Seize The Day' und das mitreißenden-dramatische 'The Gunslinger' - ja ja, der gute alte Revolvermann - sind Perlen, wie sie in einem sich oft selbst kopierenden Genre wie heutigem Power Metal selten geworden sind. Bis dorthin stimmt alles, DEMONS & WIZARDS schaffen nämlich den Spagat zwischen technischem Anspruch und geradlinigen Songs, die trotzdem experimentell genug klingen, um sie auch beim 50. Hören nicht langweilig zu finden.

An dieser Stelle jedoch bricht die Platte unverständlicherweise ein. Das halbgar-balladeske 'Love's Tragedy Asunder' und das langsame 'Wicked Witch' nehmen dem Feeling des Albums den Antrieb weg. Zum Glück fängt sich "Touched By The Crimson King" wieder, denn 'Dorian' ist wieder feinstes Melodie-Kino in atmosphärisch düsterer Form. Dabei geht es um jene tragische Jünglingsgeschichte, die Oscar Wilde zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Namen "Das Bildnis des Dorian Grey" veröffentlichte. Darin äußert eben jener Dorian den "wahnsinnigen Wunsch", dass ein Porträt von ihm altern möge, er selbst dafür aber ewig jung, schön und genussfähig bleiben soll. Dorian beginnt ein ausschweifendes Leben und verliert in seinen Abenteuern alle moralischen Hemmungen. Sein Bildnis jedoch zeigt seinen Verfall ... Diese Edgar Allan Poe ähnelnde Geschichte ist mit hemmungslos-typischen Riffs aus der Hand von Jon Schaffer druckvoll umgesetzt; auch hier begeistert wieder das inzwischen zur Weltklasse gereifte Organ von Hansi Kürsch. Ebenso fällt wie auf dem gesamten Album der Premium-Sound von "Touched By The Crimson King" auf, der die Scheibe noch eine Spur weiter veredelt. Nur der Mittelteil von 'Dorian' scheint eine Spur zu langatmig geraten, doch tut er dem Gesamtbild des Songs um das Spiegelbild einer menschlichen Seele keinen Abbruch. Das akustisch beginnende und sich zu einem extrem ergreifenden Midtempo-Song steigernde 'Down Where I Am' und das coole LED ZEPELLIN-Cover 'Immigrant Song' beschließen eine Platte, die den großen Namen in ihrem Booklet gerecht wird.

Eine Frage müssen sich DEMONS & WIZARDS freilich gefallen lassen: Warum ein solch hässliches Album-Cover für ein so starkes Stück Musik? Schon die Farbgebung von "Touched By The Crimson King" ist furchtbar, die "Malarbeit" gleicht eher den ersten Pinselversuchen eines Kleinkindes. Doch außer diesem Mangel gilt für die zweite DEMONS & WIZARDS-Scheibe trotz der kleinen Ausfälle in seiner Mitte nur das Prädikat "Exzellent" ...

[Anmerkung: Es gibt auch eine limitierte Doppel-CD-Ausgabe mit erheblich geschmeidigerem Coverbild, zwei Bonussongs und zwei editierten Fassungen von Stücken der ersten CD.]

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors

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