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ROBERT BROWNING (1812-1889)
"Child Roland to the Dark Tower came"

Neue Übersetzung von Cédric Russo
Copyright 2008

Im Gegensatz zur Rütschen Übersetzung sind einerseits auch
die Strophen XI. / XXIII. / XXIV. / XXV. / XXVI in der Übersetzung enthalten,
andererseits wurde versucht, den Fokus mehr auf eine "eins-zu-eins-Übertragung"
zu lenken, anstatt zu versuchen, sich die Zeilen reimen zu lassen.

"Junker Roland kam zum dunklen Turm"

I.

Mein erster Gedanke war, er log mit jedem Wort,
dieser grauhaarige Krüppel mit bösartigem Auge,
die Wirkung seiner Lügen auf mich beobachtend,
mit höhnisch verzogenem Mund, fast nicht fähig,
die Genugtuung und die Freude zu unterdrücken,
ein weiteres Opfer gefunden zu haben.


II.

Wozu sonst sollte er da stehen, mit seinem Stab?
Wozu, wenn nicht um mit seinen Lügen aufzulauern,
alle Reisende zu verführen, die ihn dort antreffen könnten,
um ihn nach dem Weg zu fragen.
Ich ahnte, welch Totenschädel-ähnliches Gelächter ausbrechen würde,
welcher Verkrüppelte meine Grabinschrift zum Zeitvertreib
in den staubigen Weg schreiben würde.

 

III.

Seinem Rat nach sollte ich seitwärts in diese unheilvolle Gegend ziehen,
welche, wie wir alle wissen, den dunklen Turm verbirgt.
Einwilligend ging ich , wohin er mich wies, doch am Ende musste ich feststellen,
dass weder Stolz noch Hoffnung mich so sehr entfachte,
wie die Zufriedenheit, dass irgendein Ende kommen würde.


IV.

Denn, was ist mit meinem weltweiten Wandern,
was mit meiner langwierigen, jahrelangen Suche,
meine Hoffnung schwand dahin zu einem Schatten der nicht fähig ist,
mit der unbändigen Freude umzugehen die der Erfolg bringen würde.
Und so versuchte ich gar nicht mehr, die unregelmässigen Sprünge,
die mein Herz machte, zu vereiteln.


V.

Wie wenn ein kranker Mann, dem Tode nahe,
wirklich tot zu sein scheint, und den Beginn und das Ende fühlt,
und hört, wie ein Stück nach dem anderen seiner geht, er nun freier atmet.
Mit Tränen nimmt er Abschied von jedem Freund.
(„Und da alles vorbei ist“, sagt er, „der Schlag der traf,
kann kein Bedauern wieder gut machen.“)

 

VI.

Wenn manche darüber beraten,
ob nahe der anderen Gräber noch genügend Platz dafür sei,
und wann ein Tag am besten passe um die Leiche wegzutragen,
mit Sorge um die Banner, Tücher und Stäbe,
und der Mann immer noch alles hört, dann fleht er nur,
er möge nicht derart zarte Liebe beschämen, sondern verweilen.

 

VII.

Auf diese Art musste ich auf dieser Suche lange leiden.
Hörte so oft Versagen mir prophezeit.
So viele Male dem Bund zugeordnet, nämlich den Rittern
welche für die Suche nach dem dunklen Turm berufen waren.
So zu versagen, wie sie, schien am Besten.
Die Frage war nun, ob ich dazu fähig sei.


VIII.

In stiller Verzweiflung also wand ich mich ab von ihm,
diesem hasserfüllten Krüppel, weg von seiner Landstrasse auf den Pfad,
den er mir wies. Der ganze Tag war bestenfalls eintönig gewesen,
und Dämmerung senkte sich herab und schickte noch einen düsteren roten Blick
um zu sehen wie die Ebene den Verirrten einfing.


IX.

Wisse: Nach ein oder zwei Schritten war ich nicht länger von der Ebene eingenommen,
sodann hielt ich an, um einen letzten Blick zurück über den sicheren Weg zu werfen:
Er war verschwunden, überall graues Flachland, nichts als Ebene, gebunden zum Horizont.
Ich könnte weiter gehen, nichts anderes blieb zu tun.


X.

So ging ich weiter. Ich denke, ich sah niemals eine derart ausgehungerte und ärmliche Natur.
Nichts gedieh; Blumen? Genau so gut könnte man ein Zedernwäldchen erwarten.
Doch Kornrade und Wolfsmilch könnten sich dank ihrer Durchsetzungskraft
ohne Furcht verbreiten, sollte man meinen.
Eine Klette wäre eine Schatztruhe.


XI.

Nein! Armut, Trägheit, und in manch seltsamer Art auch Grimassen,
sind Teile dieses Landes.
„Sehe, oder schliesse deine Augen“, sagte die Natur gereizt,
Es hilft alles nichts, ich selber kann nichts dagegen tun.
Es ist des jüngsten Gerichtes Feuer, das diesen Platz heilen,
seine Schollen verbrennen und meine Gefangenen freisetzen muss.


XII.

Wenn ein Distelstängel über die anderen hinausragt,
der Kopf ward abgerissen, da das Grasland sonst zu niedrig erschien.
Was verursachte diese Löcher und Spalten
in den harten dunklen Blättern des Ampfers, verletzt –
wie um alle Hoffnung auf Grün zu untergraben ?
Ein Unmensch muss ihr Leben ausgetrampelt haben,
mit eines Rohlings Intensität.


XIII.

Als zum Gras, es wuchs so spärlich wie das Haar eines Aussätzigen;
Spröde, trockene Halme durchstachen den Schlamm,
welcher darunter aussah wie mit Blut geknetet.
Ein ungelenkes, blindes Pferd, jeder seiner Knochen erstarrt,
stand wie betäubt dort, wie auch immer es dorthin kam.
Ausgestossen, die Altlast von des Teufels Stall!

 

XIV.

Am Leben? Nach allem was ich weiss, sollte es tot sein,
Mit diesem hageren, gebeugten und angespanntem Nacken,
den geschlossenen Augen unter der rostigen Mähne;
Selten ging solche Groteske mit derartigem Leid einher;
Niemals sah ich ein Tier, dass ich derart hasste;
Es muss boshaft sein, um solche Pein zu verdienen.


XV.

Ich schloss meine Augen und blickte in mein Herz,
wie ein Mann, der vor dem Kampfe nach Wein ruft,
verlangte es mich nach einem Trunk aus früheren, glücklicheren Zeiten,
ehe ich hoffen konnte, meinen Part angemessen zu erfüllen.
Zuerst denken, dann kämpfen, des Soldaten Art:
Eine Erinnerung an die alten Zeiten lässt alles richtig erscheinen.


XVI.

Nicht dass! Ich stellte mir Cuthberts sich rötendes Gesicht
unter seinen goldenen Locken vor, der liebe Gefährte,
bis ich beinahe spürte, wie er seinen Arm um meinen
schlang, um mich fest zu halten, so wie er es zu tun pflegte.
Ach! Die Schande einer Nacht!
Heraus trat meines Herzens neues Feuer und erlosch.


XVII.

Giles sodann, der Ehrenwerte - da steht er, freimütig wie zehn Jahre zuvor,
als er zum Ritter geschlagen wurde.
Was ehrenwerte Männer wagen würden, er wagte es.
Gut – aber die Szene wechselte – Pfui!
Welche Henkershand heftet da ein Pergament an seine Brust?
Seine eigene Bruderschaft liest es.
Armer Verräter, angespuckt und verflucht!


XVIII.

Lieber diese Gegenwart als eine Vergangenheit wie diese:
Somit wieder zurück zu meinem finstren Pfad!
Kein Geräusch, kein Zeichen soweit das Auge reichte.
Wird die Nacht eine junge Eule oder eine Fledermaus senden?
Ich fragte mich: Wann kommt etwas aus dem düsteren Flachland,
um meine Gedanken zu fesseln und umzupolen?


XIX.

Jäh kreuzte ein kleiner Fluss meinen Pfad,
so unerwartet wie eine Schlange kommt.
Keine schwerfällige Strömung, die mit der Dunkelheit sympathisiert;
Es mag, so wie es vorbei schäumte, ein Bad gewesen sein für der Feinde glühenden Hufe -
um den Zorn der schwarzen Wirbel, überspritzt mit Flocken und Schaum, zu sehen.


XX.

So winzig, jedoch so tückisch!
Überall entlang knieten tiefe, armselige Erlen darüber;
Durchnässte Weiden schleuderten sie kopfüber
in einem Anfall stiller Hoffnungslosigkeit, ein selbstmörderisches Gedränge:
Der Fluss, welcher ihnen allen Unrecht zukommen liess,
was auch immer dieses war, rollte weiter, und liess sich davon kein bisschen abhalten.


XXI.

Diese, während ich watete – bei allen Heiligen,
wie hatte ich doch Angst meinen Fuss auf eines toten Mannes Brust zu stellen.
Jeden Schritt erfühlte ich , durch Stossen meines Speers,
um die Zwischenräume auszumachen, doch verfing ich mich in seinem Haar oder Bart!
Es könnte eine Wasserratte gewesen sein, die ich aufspiesste,
doch Aargh! es klang wie der Schrei eines Kleinkindes.


XXII.

Froh war ich, als ich das andere Ufer erreichte.
Jetzt in einer besseren Gegend. Nutzloses Omen!
Wer waren die Kämpfer, welchen Krieg fochten sie.
Wessen wildes Getrampel konnte die feuchte Erde
zu solch einem Schlamm zertreten.
Wie Kröten in einem vergifteten Wasserbecken,
oder Wildkatzen in einem rotglühendem Eisenkäfig.


XXIII.

Der Kampf muss, so schien es, in diesem gewaltigen Bergkessel stattgefunden haben.
Was trieb sie dort hin, wo doch soviel Ebene zur Verfügung stand?
Kein Fussabdruck führt zu dieser schrecklichen Stallung, und keiner aus ihr heraus.
Böses Gebräu vernebelte ihren Verstand, kein Zweifel,
so wie der Türke die Galeerensklaven zum Zeitvertreib piesackt.
Christen gegen Juden.


XXIV.

Und mehr als das – eine Viertelmeile lang – warum dort?
Welchem bösen Zweck diente dieser Antrieb, dieses Rad, oder Bremse, nicht Rad –
Dieser Rechen, geeignet um menschliche Körper wie Seide auszurollen?
Mit dem Aussehen eines Propheten Werkzeug, auf Erden unwissentlich hinterlassen,
oder gebracht um seine rostigen Zähne aus Stahl zu wetzen.


XXV.

Dann kam ein bisschen gerodeter Boden, einstmals ein Wald,
danach ein Moor wie es schien, und jetzt schiere Erde, verzweifelt und verbraucht;
(Sogar ein Narr findet Fröhlichkeit, erschafft ein Ding und verdirbt es,
bis seine Stimmung umschlägt, und weg ist er!)
Mittendrin ein Kreuz – Torf, Ton und Schutt, Sand, und völlig schwarze Erde.

 

XXVI.

Flecken sorgen für Verdruss, vielfarbig und grimmig,
Stellen, wo manch Magerkeit des Erdbodens in Moos übergeht,
oder Substanzen wie Blutgeschwüre;
Dann kam irgendein zittriger Eichbaum, eine Spalte in ihm
wie ein verzerrter aufgerissener Mundwinkel,
der auf den Tod starrt und stirbt während er zurückweicht.


XXVII.

Und genau so weit entfernt vom Ziel wie jeher!
Nichts in der Ferne ausser der Abend, nichts das meine Schritte weiterleitete!
Bei diesem Gedanken segelte ein grosser schwarzer Vogel, Apollos Busenfreund, vorbei.
Seine weiten, drachenähnlichen, nicht ganz ausgebreiteten Flügel streiften meine Haube-
vielleicht der Führer den ich suchte.


XXVIII.

Denn als ich aufsah, wurde mir irgendwie trotz der Abenddämmerung bewusst,
dass die Ebene ringsherum Bergen Platz gemacht hatte, wenn man solch
hässlichen Anhöhen und Hügeln, die sich nun in meine Sicht schoben,
einen solch grossartigen Namen geben kann.
Wie diese mich überrascht hatten – erkläre Du es mir! -
Wie von ihnen fortzukommen sei, war nun kein klares Unterfangen mehr.


XXIX.

Schon schien mir, als könne ich mich an einen Trick des Unheils,
der mir wiederfuhr, erinnern.
Gott weiss wann – in einem bösen Traum vielleicht.
Hier geendet, dann den Weg fortgesetzt.
Dann, in dem Moment des Aufgebens, einmal mehr,
kam ein Klicken, wie wenn eine Falle zuschnappt - du bist im Bau.


XXX.

Glühend kam es auf einmal über mich, dies war der Ort!
Diese zwei Hügel zur Rechten, geduckt wie zwei Stiere, Horn an Horn zum Kampfe;
während zur Linken ein hoher, baumloser Berg....
Dummkopf, alter Narr, döst in diesem Moment
obwohl vorbereitet ein Leben lang, diese Sicht zu erkennen.


XXXI.

Was lag inmitten, wenn nicht der Turm selbst?
Der runde, gedrungene Turm, blind wie des Narren Herz,
gebaut aus braunem Stein, ohne ein Gegenstück in der ganzen Welt.
Des Sturmes spottender Kobold zeigt auf den Schiffsmann,
demnach er die ungesehene Untiefe durchschlägt, wenn die Balken brechen.


XXXII.

Nicht gesehen? Der Nacht wegen vielleicht? Warum der Tag für das zurück kam -
bevor er ging, entzündete sich der sterbende Sonnenuntergang durch eine Kluft:
Die Hügel, wie Giganten bei der Jagd, lagen, das Kinn auf der Hand,
um das Schauspiel am Strand zu sehen.
„Jetzt ersteche und beende das Leben der Kreatur – endgültig!“


XXXIII.

Nicht gehört? Überall war ja auch Lärm! es läutete unglaublich laut, wie eine Glocke.
In meinen Ohren, Namen all der verlorenen Abenteurer – meine Ebenbürtigen –
War auch der eine stark, der andere wagemutig, und einer vom Glück beschieden,
jetzt jedoch ein jeder der Alten verloren, verloren!
Ein Moment kündete vom Leid der Jahre.

 

XXXIV.

Da standen sie, entlang der Hänge aufgestellt,
gekommen um den Letzten zu sehen, Ein lebender Rahmen für ein Bild mehr.
In einem Flammenbogen sah ich sie und kannte sie alle.
Und alsbald setzte ich furchtlos das Jagdhorn an meine Lippen und blies:
„Junker Roland kam zum dunklen Turm.“

   
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