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Das Tagebuch der Ellen Rimbauer – Mein Leben auf Rose Red

für http://www.stephen-king.de

 

  • Über die Entstehung:

Schon die Frage nach der Autorenschaft machte dieses Buch interessant, bevor überhaupt die ersten Zeilen zu lesen waren. Wurde es von Ellen Rimbauer, der Hauptfigur, geschrieben oder doch von der Herausgeberin Dr. Joyce Reardon oder, wie nicht wenige vermuteten, von dem bekannten US-Schriftsteller Stephen King oder gar von seiner Frau Tabitha? Es war keiner von ihnen. Und ein Hinweis auf den Autor findet sich im ganzen Buch nicht.

Stephen King ist aber insofern beteiligt, als dass er nicht nur die mehrteilige TV Serie "Rose Red" produzierte, sondern auch das Drehbuch schrieb, die Geschichte trug er über zehn Jahre mit sich herum, und schließlich die Idee zum Tagebuch hatte, dass als Begleitbuch zur Serie gedacht ist.

"Das Tagebuch der Ellen Rimbauer" selbst wurde allerdings in Kings Auftrag von Ridley Pearson geschrieben. Pearson ist selbst ein bekannter Thriller-Autor und zudem Bandmitglied (Bassgitarrist) der "Rock Bottom Remainders", in der Stephen King Gitarre spielt und gelegentlich singt.

Lange Zeit wurde von King verheimlicht, wer das Buch schrieb. Über die Mitherausgeberin und angebliche Autorin Joyce Reardon konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Wahrscheinlich existiert diese Frau nicht einmal. Einerseits nahm King zwar mit der Bekanntgabe des Autors kurz vor der Deutschland-Veröffentlichung die Spannung aus der Diskussion (Vielleicht ist das Tagebuch ja doch ein auf einem Flohmarkt entdecktes Original?), andererseits ist es mehr als gerecht, dem wirklich dahintersteckenden Autor auch die verdienten Lorbeeren für seine Arbeit zukommen zu lassen. Denn, das kann man hier schon sagen, das Buch ist trotz der Kompliziertheit eines Tagebuches sehr gut gelungen.

Nun darf man auf die Serie gespannt sein, die hierzulande im Herbst 2002 von RTL ausgestrahlt werden soll.

 

  • Über den Autor:

Ridley Pearson ist ein amerikanischer Thriller-Autor, der bereits seit den 70er Jahren Romane schreibt. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern im US-Bundesstaat Connecticut. Ich selbst habe bisher noch keinen seiner Romane gelesen, doch werde ich das nach der Lektüre des "Tagebuches der Ellen Rimbauer" sicher nachholen, denn dieses Buch macht Lust auf mehr. In verschiedenen Internet-Buchläden stößt man auf fast ausnahmslos sehr gute Kritiken seiner Romane. Auch hat er in den USA bereits einige große Awards für seine Arbeiten verliehen bekommen. Stephen King selbst schreibt auf seiner eigenen Homepage zu dem "Tagebuch der Ellen Rimbauer": "Ridley hat sehr gute Arbeit geleistet, ich hätte es selbst nicht besser machen können." Unter anderem sind von Ridley Pearson in deutscher Sprache erschienen: Die einzige Spur, Das erste Opfer, Bis zur Unkenntlichkeit und Der Rattenfänger.

 

  • Über den Inhalt:

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beginnt Ellen Rimbauer, die junge Frau eines Großindustriellen aus Seattle, ein außergewöhnliches Tagebuch zu führen. Dieses Buch wird zum geheimen Ort, dem Ellen die Sorgen ihrer Ehe beichten, die Verwirrung über die in ihr aufkeimende Sexualität ausdrücken und darüber nachsinnen konnte, zu welchem Alptraum ihr Leben zu werden schien. Das Tagebuch verfolgt nicht nur die Entwicklung eines Mädchens zu einer jungen Frau, es verfolgt auch den Bau der Rimbauer-Villa, der Rose Red, einem riesigen Haus, welches in den folgenden Jahren zum Schauplatz so vieler schrecklicher und unerklärlicher Tragödien werden sollte.

Das Tagebuch der Ellen Rimbauer: "Mein Leben auf Rose Red" ist ein seltenes Dokument, eines, das uns einen ungewöhnlichen Einblick in das tägliche Leben der Aristokratie in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gewährt, ein Fenster in die verborgenen emotionalen Qualen einer Frau und ein Protokoll über die sehr mysteriösen Ereignisse auf Rose Red, welche die Gesellschaft dieser Zeit schockierten.

 

  • Meine Meinung über das Buch:

Es ist zunächst immer etwas gewöhnungsbedürftig einen Roman, der in Tagebuchform geschrieben wurde, zu lesen. Ich habe mit dem "Geheimen Tagebuch der Laura Palmer" (das 1991 ebenfalls beim VGS Verlag erschien) erst einen Tagebuchroman vor diesem hier gelesen. Aber noch schwieriger ist es sicher für einen Schriftsteller, einen solchen zu schreiben, erst Recht wenn, wie in diesem Fall, ein Mann das Tagebuch einer Frau schreibt. Ich finde, Ridley Pearson hat hierfür den richtigen Ton getroffen, oder besser das richtige Wort.

Im ersten Drittel des Buches wird der Leser in die geheimen Sehnsüchte der jungen unschuldigen Ellen eingeführt. Sehr einfühlsam wird der Wandel eines Mädchens zu einer erwachsenen Frau beschrieben, die feststellen muss, dass das Leben und die Ehe nicht immer das ist, was man sich wünscht.

Danach entwickelt sich das Buch dann in Richtung eines Schauerromans, allerdings ohne, dass es kitschig wird. Die mysteriösen Vorkommnisse auf Rose Red werden ohne große spektakuläre Effekte erzählt. Es entsteht vielmehr eine leise hintergründige Spannung, die mich sehr an die Schauerromane des 19. Jahrhunderts erinnern. Sehr nachvollziehbar wird die Panik dargestellt, die in Ellen ausbricht, als in dem Haus auch Personen verschwinden die ihr viel bedeuten. Ellen versucht mit dem Haus, von dem sie glaubt, es sei lebendig, zu kommunizieren und vor allem sich zu arrangieren, um ihre Lieben wieder von ihm zurückzubekommen.

Durch die genauen Beschreibungen und die Sprache kann man sich leicht in die Zeit und das gesellschaftliche Umfeld, der Geschichte, die High Society des frühen 20. Jahrhunderts, hineinversetzen. Hier wird klar, dass sehr viel Recherche in diesem Buch steckt.

Die letzten 40 Seiten wurden mir etwas zu schnell erzählt. Hier kommt es mir so vor, als hätte der Autor unter Zeitdruck gestanden. Andererseits, da es sich um ein Tagebuch handelt, wird es dadurch um so authentischer, auch wenn es für den Leser auf Kosten der Story geht.

Das gesamte Buch ist meiner Meinung nach sehr leicht und flüssig zu lesen, bedingt durch die teilweise kurzen Tagebucheinträge, neben denen es aber auch etliche über mehrere Seiten gibt. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen.

 

  • Fazit:

Ein Buch, dass nicht nur etwas für Fans von Gruselgeschichten ist. Auch Leser, die einfach mal in eine längst vergangene Epoche eintauchen wollen und sich für Frauenschicksale interessieren, werden von diesem Buch sicher nicht enttäuscht. Mir hat "Das Tagebuch der Ellen Rimbauer" sehr gut gefallen, und ich werde es auf alle Fälle weiterempfehlen. Man sollte dieses Buch nicht in Erwartung eines Horrorschockers aus dem Ladenregal nehmen, jedoch auch nicht mit der Erwartung, dass man einen Liebesroman zu lesen bekommt. Das Buch verbindet auf spielerische Art und Weise mehrere Genres und dürfte dadurch sicherlich für verschiedene Lesergruppen interessant sein.

 

  • Daten:

Titel - Das Tagebuch der Ellen Rimbauer / Mein Leben auf Rose Red

Autor - Ridley Pearson

Verlag - Egmont VGS Verlagsgemeinschaft

Übersetzer - Antje Göring

Cover - Paperback

Seiten - 345

ISBN Nr. - 3-8025-2942-1

Preis - 19,90 €

Veröffentlichung - Juli 2002

Original bei - Hyperion Books USA

Herausgeber - Dr. Joyce Reardon Ph.D. / Stephen King



   
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