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Stellungnahme zu der Übersetzung
und den entstandenen Fragen
vom Lektorat des Heyne-Verlags

(eine Wiedergabe dieses Textes auf anderen
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Das Problem ist zunächst, dass die ersten vier Bände in zeitlich großem Abstand entstanden sind. Die Übersetzungsvorlagen (sprich amerikanischen Originale) in diesen vergangenen 20 Jahren waren nicht einheitlich. Und es war natürlich zu Beginn für den Verlag und den Übersetzer nicht abzusehen, dass der Zyklus auf 7 Bände hinauslaufen würde und auch nicht, dass und wie der Autor selbst noch einmal eingreifen würde. Wie Sie sicher wissen, hat King gerade den Band 1 noch einmal stark überarbeitet, was auch Folgen für alle anderen Bände hat. So ist also die »Veränderung« auch Thema des Zyklus selbst. King hat die Macht und die Muse, zu verändern und er lässt Roland das auch explizit sagen: »Ich kann euch unmöglich alles erzählen«, heißt es in Glas, »in meiner Welt ist selbst die Vergangenheit in Bewegung und ordnet sich in vielen entscheidenden Dingen neu ...« Der Satz könnte als Schlüssel zur ganzen Problematik gesehen werden. Insofern dreht sich die Welt nicht nur, sondern sie »bewegt« sich tatsächlich, im Raum und im Buch. Unser wirklich großes Problem der Vereinheitlichung im Hinblick auf den Abschluss des Zyklus rührt eben auch daher, dass King im ersten Band noch einmal stark eingegriffen hat, was Folgen für alle weiteren Bände bedeutet. Deshalb auch unsere Neuausgabe der ersten vier Bände. Nachdem in den USA ebenfalls eine Neuausgabe letzter Hand im diesem Sommer erschienen ist, hatten wir schon aus vertraglichen Gründen gar keine Wahl, als ebenfalls eine aktualisierte Fassung der Bände 1 - 4 zu veröffentlichen und dabei die Übersetzungen auch in solchen Dingen zu verändern, von denen Körber ursprünglich gar nichts wissen konnte. Dass das für den Leser ärgerlich ist, war uns vollkommen klar. So waren sprechende Namen in der Ursprungsfassung sehr uneinheitlich: Da stand dann der »Copperhead« neben dem »Schlitzer«, das unveränderte Original neben der Übersetzung, was weder logisch, noch schön ist. Der »Gasher« macht insofern Sinn, und gut klingt es auch. Aber da kann man sicher anderer Ansicht sein. Lange Rede, kurzer Sinn. Abgesehen von offensichtichen Fehlern (und ich befürchte, »Vollerde« ist so ein Fall), die bei einem solchen Mammutwerk kaum zu verhindern sind, haben wir mit Sinn und Verstand und unter großen Zwängen versucht, der Veröffentlichungsgeschichte des Turms und dem Autor Rechnung zu tragen. Ich gebe ungern aber doch zu, dass der treue King-Leser das auszubaden hat und bitte trotzdem um Verständnis. Wir haben es uns wahrlich nicht leicht gemacht. Und das wir angesichts der schönen Wolfsmond-Ausgabe wirklich nicht lieblos an das Thema herangehen, werden Sie uns eingestehen.

Es haben sich viele über Wolfsmond beschwert, und natürlich gibt einem das schon sehr zu denken. Ich habe mich in den letzten Tagen mit viel Kritik auseinandersetzen müssen und merke langsam, dass ich nicht alles entkräften kann. Es ist aber allgemein festzustellen, dass berechtigte Erwartungen und Lesegewohnheiten des Fans gegen den ebenso berechtigten Wunsch des Verlags steht, im Hinblick auf den Abschluss des Zyklus und die Ausgabe letzter Hand in den USA die bestehenden Übersetzungen durchzusehen. Joachim Körbers Übersetzungen sind gut, aber auch noch verbesserungswürdig. Dass in den alten Übersetzungen manches durchgerutscht ist, ist natürlich auch dem Verlag anzulasten, der damals offenbar nicht genau genug war.

Eine nochmalige genaue Prüfung des Originals und entsprechende Korrektur, die vor allen Dingen den Absichten des Autors gerecht zu werden versucht, stand also im Mittelpunkt.
Beispiele:
Bei dem von Ihnen zitierten, oft auftauchenden Satz: »Du hast das Gesicht deines Vaters vergessen«, handelt es sich um ein Zitat von Thomas Wolfe, einen Autor, den King häufig zitiert, besonders in seiner Bearbeitung von »Schwarz«. Der Satz stammt aus
Schau heimwärts Engel und lautet dort eben »Du hast das Angesicht ... vergessen«. Es geht hier nicht nur um das Gesicht selbst, sondern - wie bei Wolfe - um »Angesicht« im Sinne von »Tradition«. Es geht sozusagen um die Werte des Vaters.
Steve McQueen sagt in den
Glorreichen Sieben (deutsche Synkronfassung) tatsächlich »Wir sind Reisende in Blei« und nicht »Wir handeln mit Blei«. »Thunderclap« ist in den alten Ausgaben mit »Donnerhall« übersetzt. Der »Clap« ist aber eigentlich der »Schlag«, weshalb der Begriff in der Neuausgabe neu als »Donnerschlag« auftaucht.

Welcher Gedanke hat also Vorrang? Der Versuch, noch genauer der Intention des Autors zu folgen, oder die Erwartung des Lesers? Die Sprache und der Ton im Original sind häufig bewusst hochsprachlicher als in unseren früheren Übersetzungen. Ausgehend davon, dass King sich etwas dabei gedacht hat: Soll man da Korrekturen vornehmen, oder ist die Gefahr zu groß, dass der Gesamteindruck gestört wird? Wäre es nicht auch ein Argument für den Leser, dass diese Änderungen nach der ersten Verwirrung und dem ersten Ärger interessante neue Aspekte im Hinblick auf das Werk und den Autor bieten? Es scheint vielleicht zunächst nicht nachvollziehbar, aber wir haben generell schlicht versucht, noch genauer zu sein.

Eingefleischte Leser wird das vielleicht nicht trösten, aber ich möchte doch hinzufügen, dass wir bei dem mit der großem zeitlichen Abstand erscheinenden Band 5 auch mit Lesern rechnen, die jetzt erst in den Dunklen Turm einsteigen. Denen steht mit der Neuausgabe ein vereinheitlichtes Werk gegenüber, das einen Gesamteindruck ermöglicht.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Übersetzung gut ist und auch gut bearbeitet wurde. Wenn Sie allerdings spezifische Anmerkungen haben, nehme ich die gern entgegen.

Mein Hinweis auf die 7 Bände bezog sich auf die Arbeit des Übersetzers Joachim Körber beginnend mit »Schwarz«. Allerdings hätte es nichts an der Problematik geändert, wenn King den Zyklus auf 8, 12 oder auch 19 Bände angelegt hätte.

Um noch mal darauf hinzuweisen: Der Heyne Verlag folgt mit der durchgesehenen Neuausgabe der Bände 1 - 4 dem amerikanischen Originalverlag. Dass wir dann auch wirklich diese Bände durchsehen und angleichen, versteht sich von selbst. Die ersten vier Bände waren eben nicht immer einheitlich. Z. B taucht der Name »De Curry« in drei verschiedenen Schreibweisen auf. In der überarbeiteten »Schwarz«-Ausgabe hat sich King nun für »DeCurry« entschieden. »Farson« ist in der alten Ausgabe sowohl der Name einer Figur als auch einer Stadt. King hat nun aus der Stadt Farson die Stadt »Taunton« gemacht. Ignorieren können wir das nicht. Dazu kommt, dass King die letzten drei Bände zügig nacheinander geschrieben hat und dadurch eine größere Einheitlichkeit zu erkennen ist (können Sie nicht wissen, aber uns liegt Band 6 schon vor), als bei den weit auseinander liegenden ersten vier Bänden. Ich will ja den Teufel nicht an die Wand malen, aber ich halte es für durchaus denkbar, dass der Autor nach Abschluss seines »wichtigsten Werks« auch an Band 2 - 4 noch einmal Hand anlegt. Da könnte noch was auf uns zu kommen.

Wolfsmond ist gerade erst erschienen, die Anzeigenkampagne startet nächste Woche. Wir haben den Buchhandel mit aufwändigem Dekomaterial ausgestattet, wir haben Branchenwerbung gemacht, die allerdings der Leser gemeinhin nicht sieht, weil sie sich an den Buchhandel richtet. Welche Buchhandlung diese Deko wie einsetzt, kann ich Ihnen leider nicht sagen, weil ich es nicht weiß.

Ich kann nur noch einmal wiederholen, und ich meine es so, dass ich Ihre Verärgerung verstehen kann. Aber hier geht es nicht um Schlamperei oder Leichtfertigkeit, sondern wir haben Gründe für unser Vorgehen und dafür bitte ich noch mal um Verständnis. Vielleicht hätten wir einen Weg finden müssen, die Leser auf die Veränderungen vorzubereiten. Vielleicht sollten die Leser einen Weg finden, erst zu fragen, warum etwas ist, wie es ist, und nicht Verlag und Übersetzer gleich zu verdammen.

   
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