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Interview von Gerald Schnellbach mit dem
Schriftsteller Frank Schätzing
für stephen-king.de

FRank Schätzing

 

Frank Schätzing, 1957 in Köln geboren, studierte Kommunikationswissenschaften und war Mitbegründer der Werbeagentur "Intevi" sowie der Musikproduktionsfirma "Sounds Fiction". Seit Anfang der 90er Jahre ist er als Schriftsteller tätig. 1995 erschien sein erstes Buch "Tod und Teufel". Sein kürzlich erschienener Roman "Der Schwarm" ist zur Zeit in allen Bestsellerlisten auf den oberen Plätzen zu finden. Als Hobby gibt Frank Schätzing neben dem Schreiben und der Musik noch "Kochen" an.


Hallo Herr Schätzing, vielen Dank dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Ihr Roman "Der Schwarm" steht zur Zeit in allen Bestsellerlisten ganz oben und verdrängt Autoren wie Stephen King, John Grisham und Henning Mankell auf die Plätze. Haben Sie selbst mit diesem Erfolg gerechnet?

Frank Schätzing: nicht mit einem derartigen hype. Ich war mir immer sicher, dass es ein erfolg wird, aber eher im bescheideneren maßstab. Platz 1 der spiegel bestseller-liste hätte ich mir nicht träumen lassen, aber ich muss sagen, dass man sich da oben ausgesprochen wohlfühlt.

Wie lange brauchten Sie von der ersten Idee bis zum fertigen Buch? Ich kann mir vorstellen, dass speziell die Recherche sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Frank Schätzing: ich habe rund vier jahre recherchiert, teils vor ort in kanada, vielfach via internet und im gespräch mit experten. Die eigentliche schreibarbeit hat eineinhalb jahre in anspruch genommen.

Gibt es schon konkrete Pläne für eine Verfilmung von "Der Schwarm"?

Frank Schätzing: es gibt konkrete angebote, größtenteils aus hollywood, und das eine oder andere davon ist durchaus seriös und im rahmen dessen, was ich mir vorstelle: also big-budget-kino. wir stehen in verhandlungen, haben aber noch nichts entschieden, und werden uns wohl auch noch ein paar monate zeit lassen, bis wir etwas unterzeichnen.

Sind Sie wirklich der Meinung, dass für die Meesresforschung zu wenig Geld zur Verfügung steht, während gleichzeitig für die Erforschung des Weltraums Unsummen ausgegeben werden und wollten Sie das dem Leser mit dem Buch bewusst machen?

Frank Schätzing: für die weltraumforschung steht ebenfalls zuwenig geld zur verfügung. Die frage ist immer, welche vitalen interessen sich an forschung knüpfen. Aufs gesamte ist durchaus eine menge geld vorhanden, allerdings fließt es in militärische oder industrielle forschung. die freie forschung kann weder im meer noch im weltraum auf überbordende mittel zurückgreifen. um etwa fischbestände wieder aufzupäppeln oder die einleitung von giftstoffen in die meere zu unterbinden, muss ich ja nicht nur geld ausgeben, sondern zudem in politische interessen eingreifen. die schaffung von naturschutzräumen ist immens teuer, und auch da werden ihnen energiekonzerne und militär nicht gerade euphorisch unter die arme greifen. das tun die im übrigen auch nicht bei der entwicklung von kometen-abwehrsystemen, die wir ganz gut gebrauchen können. kurz, eine von wirtschaft und politik finanzierte forschung ist keine wirkliche forschung, sondern ein gesponserter prozess zur lösung definierter probleme, und solche lösungen müssen noch lange nicht in jedermanns sinne sein. die freie forschung tritt hier wie da auf der stelle.

Die "Yrr" im Ozean, die Sie im Buch "erschaffen" haben, sind ja praktisch das Pendant zu den Außerirdischen im All. Glauben Sie persönlich an außerirdische intelligente Lebensformen?

Frank Schätzing: ja, ich denke, das leuchtet auch ein. ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere kleine kosmische besenkammer der einzig bewohnte raum im universum ist. ich denke, unter gewissen vorzeichen ist die entwicklung organischen lebens vorprogrammiert. wie es aussieht, bewegt sich unser planet im koordinatensystem durchschnittlicher physikalischer grundbedingungen, die auch an anderen punkten des universums zu finden sein dürften. sicher wird die entwicklung zu höherer intelligenz weniger oft anzutreffen sein als die generelle lebensentwicklung, aber auch da rechne ich mit vielfalt.

Im Buch beschreiben Sie den Untergang der großen Religionen. Was bedeutet Gott für Sie?

Frank Schätzing: es wird einen grund geben, warum das universum ist, wie es ist. Einen physikalischen grund, vielleicht auch als resultat eines willens. gott ist eine naturwissenschaftliche initialzündung. anders gesagt, das einfachste wort für die kosmische ursache ist gott. Von gottgestalten halte ich nichts, ebensowenig wie ich mir vorstellen kann, dass es ein höheres wesen gibt, dass speziell die menschheit geplant hat und sie beobachtet.

Sie schreiben in Ihrem Buch über Experimente der Großmächte USA und Sowjetunion, die diese mit Delphinen vornahmen. Beruhen alle diese von Ihnen beschriebenen Experimente auf Tatsachen oder haben Sie sich hier künstlerische Freiheiten genommen?

Frank Schätzing: nein, diese experimente beruhen auf tatsachen oder zumindest auf einer verdichtung von hinweisen aus seriösen quellen.

Was und wen lesen Sie privat am liebsten?

Frank Schätzing: sehr viel sachliteratur, vorwiegend naturwissenschaft. gute thriller, aber auch völlig andere literatur, z.b. flann o´brien, james joyce, jonathan franzen, paul auster, etc. früher habe ich mehr science fiction gelesen, heute kaum noch, aber in einen stanislaw lem schaue ich immer wieder gerne rein. und donald duck zählt nach wie vor zur hochliteratur.

Da wir in erster Linie eine Fanpage zum Thema Stephen King sind, kommen wir natürlich nicht umhin, eine Frage zu diesem Autor zu stellen. Kennen Sie Bücher von ihm? Was halten Sie von diesen?

Frank Schätzing: ich halte king für einen sehr talentierten schilderer zwischenmenschlicher beziehungen. seine portraits von kleinstadtmenschen, von freundschaften, von außenseitern und wie sie ihr leben meistern sind vielfach grandios. Als horror-autor sind ihm ein paar clous gelungen, aber halt nur ein paar. vieles reicht an die atmosphärische qualität seiner milieuschilderungen nicht heran. carrie war ein schöner harter stoff, the shining auch, und natürlich ES. mir gefallen von ihm allerdings eher die abgründigen reisen in die köpfe solcher figuren wie dolores. misery war toll, stand by me ein schönes thema. duddits "dreamcatcher" wiederum offenbart die kingsche unentschlossenheit. als freundschaftsportrait sehr gelungen, als horrorvision durchschnittlich und bei alien und das ding abgeguckt, teils völlig abstrus, als esoterisch-übersinnliches märchen naiv und als science-fiction geradezu lächerlich. aber alles hat er zusammengerührt zu einem brei, und wenn er nicht - trotzdem - so spannend schreiben würde, müsste man duddits als großen mumpitz bezeichnen. so ist es immerhin netter mumpitz. wiederum ist das vielfach unterschätzte "mädchen" ein richtig gutes buch.

Wie auf Ihrer Homepage zu lesen ist, haben Sie ein weiteres Hobby, die Musik. Sie haben den Soundtrack für die Hörbuchfassung von "Tod und Teufel" selbst komponiert und im eigenen Studio eingespielt. Werden wir den Namen Frank Schätzing auch einmal bei den CDs in der Musikabteilung entdecken?

Frank Schätzing: vielleicht. mal sehen. erstmal habe ich jetzt im auftrag des hörverlags das hörbuch "der schwarm" produziert, zusammen mit dem kölner produzenten loy wesselburg. da haben wir als team viel musik komponiert und eingespielt. über eine reine musik-cd denken wir locker nach, aber das kann noch dauern.

Nach dem Mittelalterkrimi "Tod und Teufel", dem Politthriller "Lautlos" und dem Ökothriller "Der Schwarm": Welcher Kategorie wird ihr nächster Roman zuzuordnen sein? Arbeiten Sie bereits wieder an einem?

Frank Schätzing: ich finde nicht, dass der schwarm ein ökothriller ist. ich tue mich mit diesen etiketten sehr schwer. öko klingt so nach fusselbärten und birkenstock. ich denke, der schwarm ist im wissenschaftlichen sinne science fiction. ich werde im winter mit einem neuen thriller beginnen, was das genre angeht: lassen sie sich überraschen.

Wir bedanken uns noch einmal für die Beantwortung der Fragen und wünschen Ihnen für alle anstehenden Projekte viel Erfolg.


Die offizielle Homepage von Frank Schätzing findet ihr hier.

Nachfolgend findet ihr die Bücher von Frank Schätzing bei Amazon:

Der Schwarm

Keine Angst

Mordshunger

Tod und Teufel

Lautlos

Die dunkle Seite

© 2004 by www.stephen-king.de
Gerald Schnellbach und Klaus Spangenmacher

Dank an Sylvia (Esprit) für die Unterstützung ;-)

   
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