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Interview mit Petra Hammesfahr
für stephen-king.de und BookOla.de

geführt von Klaus Spangenmacher

Bild Copyright: Hergen Schimpf
used with permission

hammesfahr

Petra Hammesfahr, geboren 1951, lebt als Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Kerpen bei Köln. Ihr Roman ''Der gläserne Himmel'' wurde mit dem Rheinischen Literaturpreis der Stadt Siegburg ausgezeichnet, für den Roman "Die Mutter" erhielt sie den Frauen-Krimi-Preis der Stadt Wiesbaden, für den Roman "Meineid" den Burgdorfer Krimipreis. Sie zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Autorinnen. Ihre Bücher sind packend, spannend und verdammt nahe an der Wirklichkeit.
Man ist mittendrin, statt nur lesender Begleiter.



Es freut uns, dass Sie sich die Zeit genommen haben, ein paar Fragen zu beantworten.
Sie haben einmal erwähnt, dass Sie schon sehr früh mit dem Schreiben begonnen haben. War es schon immer Ihr Wunsch Schriftstellerin zu werden?
Und wann haben sie ihre ersten Schritte unternommen?

Petra Hammesfahr: Nachdem ich jahrelang in Ermangelung einer Schreibmaschine alle möglichen Zettel mit der Hand beschrieben habe, ging es 1980 mit Maschine täglich bis zu acht Stunden richtig los. Die erste Absage von einem Verlag bekam ich dann 1981, bis 1990 folgten weitere 158 Ablehnungen.

Es erscheinen relativ regelmäßig neue Bücher von Ihnen. Stellen Sie immer erst ein Buch fertig und beginnen dann ein neues oder kommt es auch vor, daß Sie bei einem pausieren und erst an einem anderen weiterarbeiten?

Petra Hammesfahr: Es kommt durchaus vor, dass ich die Arbeit an einem Manuskript unterbrechen muss, um zum Beispiel einen Roman für eine Neuauflage zu überarbeiten. Manchmal merke ich auch nach 50 oder 100 Seiten, dass die Idee noch nicht ganz ausgereift ist, dann lasse ich sie erst einmal ruhen. Aber im Normalfall arbeite ich durch und brauche in der Regel 2 Jahre für ein Buch von durchschnittlich 400 Seiten. Da ich immer eine gewisse Reserve hatte, konnten mehr Bücher auf den Markt gebracht werden, als ich in der Zeit tatsächlich geschrieben habe.

Was bedeutet das Schreiben für Sie? Was lieben Sie besonders daran?

Petra Hammesfahr: Das ist mein Leben. Ganz besonders liebe ich die Herausforderung. Wenn ein Roman abgeschlossen ist, muss ich mit dem nächsten wieder bei Null anfangen.

Was stört sie an Ihrem Beruf und wie gehen Sie mit Ihrer Bekanntheit um?

Petra Hammesfahr: Mich stört nur, wenn ich meine Arbeit unterbrechen muss. Und so bekannt, wie es scheint, bin ich gar nicht. Ich kann noch völlig unbehelligt im Supermarkt einkaufen.

Hätten Sie am Anfang Ihrer Laufbahn mit dem Wissen von Heute etwas anders gemacht?

Petra Hammesfahr: Nein. Ich hätte nur einige Bücher ganz anders geschrieben. Die Chance dazu bekomme ich mit den Neuauflagen.

Werden Sie bei den Themen und Personen Ihrer Bücher von Nachrichten, Polizeiberichten oder auch anderen Autoren beeinflußt?

Petra Hammesfahr: Nein. Meine Phantasie reicht völlig.

Wenn Sie die Grundidee für ein Buch haben, wie lange dauert es ungefähr, bis Sie ein fertiges Manuskript beim Verlag abliefern können? Wie lange arbeiten Sie durchschnittlich täglich und haben Sie da einen festen Zeitplan? Sind Sie dabei diszipliniert?

Petra Hammesfahr: Im Durchschnitt 2 Jahre, aber dann habe ich die Grundidee schon eine Zeitlang – 4, 5, 6 Jahre - reifen lassen. Ich arbeite täglich 12 Stunden, schreibe allerdings nicht ununterbrochen, die meiste Zeit vergeht mit überarbeiten. Viele halten mich für diszipliniert, ich nenne es Besessenheit, vielleicht ist es auch eine Sucht.

Wie viel Wert legen Sie auf Authentizität und wie lange halten Sie sich mit den Recherchen auf?

Petra Hammesfahr: Es ist mir sehr wichtig, so realitätsnah wie möglich zu schreiben, auch wenn ich mich mit einem Thema einmal am Rande der Realität bewege. Einen bestimmten Zeitrahmen für Recherchen habe ich nicht. Ich greife auf das Wissen zurück, das ich mir im Laufe der Zeit angeeignet habe. Wenn ich mir bei einer Sache nicht hundertprozentig sicher bin, frage oder lese ich sofort nach.

Wie oft lehnen Sie Ihre Charaktere an Personen, die existiert haben oder existieren an?
Oder sind sie doch in der Mehrzahl Phantasiewesen?

Petra Hammesfahr: Meine Leute sind ausschließlich meiner Phantasie entsprungen.

Welches Ihrer Bücher hat für Sie persönlich die größte Bedeutung?

Petra Hammesfahr: Immer das, an dem ich gerade arbeite.

Sie schreiben auch Drehbücher. Finden Sie dies einfacher oder schwieriger als "normale" Bücher?
Und sehen Sie da für das geschriebene Wort eine große Konkurrenz?

Petra Hammesfahr: Ich schreibe seit Jahren keine Drehbücher mehr. Für mich waren sie einfacher und wesentlich schneller zu schreiben als ein "normales" Buch. Es hat auch Spaß gemacht, bis ich die Schattenseiten der Filmbranche kennen gelernt habe. Als Konkurrenz zum Buch sehe ich den Film nicht. Ein Buch lässt Spielraum für eigene Vorstellungen, wer das nicht nutzt, ist selber schuld.

Gab oder gibt es in Ihrer Familie oder in Ihrem Freundeskreis Personen, die mit Ihrem Erfolg nicht umgehen konnten/können?

Petra Hammesfahr: Nein.

Über welche Reaktionen über Ihre Bücher haben Sie sich am meisten gefreut?

Petra Hammesfahr: Dass ich Leute zum Lesen bringe, die vorher angeblich gar keine Zeit dafür hatten.

Sind Sie mit den Film- und Hörbuchumsetzungen Ihrer Bücher zufrieden und bestehen Sie auf ein gewisses Mitspracherecht?

Petra Hammesfahr: Die Hörbuchfassungen schreibe oder überarbeite ich selbst. Es muss nur gekürzt werden. Bei einem Drehbuch ist es im Grunde nicht viel anders. Jede Szene, die im Film gebraucht wird, gibt es im Roman bereits. Warum nimmt man sie dann nicht auch? Zum "stillen Herrn Genardy" habe ich das Drehbuch selbst geschrieben und bewiesen, dass man einen Roman filmisch so umsetzen kann, dass die Leser ihn auch wieder erkennen. Ein Mitspracherecht hilft da leider nicht viel.

Sind Sie ein "öffentlicher Mensch" oder meiden Sie eher öffentliche Auftritte?

Petra Hammesfahr: Nach unzähligen Stunden alleine mit dem Computer tut etwas Öffentlichkeit sehr gut. Eine Lesung mit viel Publikum oder hin und wieder ein Fernsehstudio bestätigt doch, dass man eine Leistung erbracht hat, die akzeptiert wird.

Stehen in naher Zukunft neue Verfilmungen Ihrer Bücher an?

Petra Hammesfahr: Es wird noch verhandelt.

Ist der Rowohlt-Verlag Ihr Stammverlag oder werden Ihre Bücher auch noch von anderen Verlagen veröffentlicht?

Petra Hammesfahr: Bis 1995 sind einige Bücher in anderen Verlagen erschienen, die nun über die Rechte an diesen Romanen verfügen. Als weitere Manuskripte abgelehnt wurden, hat der Rowohlt-Verlag mich aufgenommen und sehr viel für mich getan. Für mich ist er nun eher Familie als Verlag. Ich würde gerne alle meine "Kinder" in dieser Familie unterbringen, da wüsste ich sie gut aufgehoben.

Wir möchten uns noch einmal für dieses Interview bedanken und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg für alle anstehenden Projekte.


© 2005 by www.stephen-king.de und www.BookOla.de

Klaus Spangenmacher

   
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