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Interview mit dem Schriftsteller Joe Hill

geführt von Ulf Lippitz für
DIE ZEIT Nr. 16 vom 12. April 2007

»Ich muss mich an meinem Vater messen«
Lange wusste niemand, wer hinter dem Schriftsteller Joe Hill steckt.
Er wurde mit seinem Romandebüt Blind (Heyne) erfolgreich.
Hill heißt in Wahrheit Joseph King –
und ist der Sohn des bekannten Horror-Autors Stephen King.

 

DIE ZEIT: Wie ist das, wenn man in Konkurrenz zum eigenen Vater steht?

Joseph King: Kommen Sie, jeder Sohn muss sich an seinem Vater messen. Worin soll sich meine Situation von der anderer unterscheiden?

ZEIT: Ihr Vater verkauft Millionen von Büchern, Sie stehen unter Erfolgsdruck.

King: Schlimmer wäre es, wenn ich wüsste, der Verleger will mich nur, weil ich der Sohn von Stephen King bin. Daher hatte ich mir das Pseudonym Joe Hill gewählt. In Interviews achtete ich immer darauf, nie meinen Vater als Lieblingsautor zu nennen – sodass die Zeitung nicht aus Versehen die Fotos von uns beiden auf eine Seite platzierte.

ZEIT: In einem Blog wurde Ihr Alias als das »am schlechtesten gehütete Geheimnis der Verlagswelt« bezeichnet.

King: Ich schreibe unter meinem Pseudonym seit fast zehn Jahren, ohne dass jemand davon Wind bekommen hätte. Vier Bücher habe ich geschrieben – und die wollte niemand verlegen. Ich habe drei Jahre an einem 900 Seiten langen Epos gearbeitet – einer Art Herr der Ringe. Hat nicht funktioniert. Ich musste lernen, wie man richtig schreibt.

ZEIT: Was konnten Sie von den Büchern Ihres Vaters lernen?

King: Wenn man eine Geistergeschichte über ein verwunschenes Haus erzählt, sollte man nicht 100 Seiten vergeuden, den Immobilien-Deal der neuen Bewohner zu beschreiben, sondern gleich mit dem Geist des Hauses beginnen. Eine Geschichte beginnt nicht auf Seite 50, sondern auf der ersten Seite.

ZEIT: Ihr Bruder Owen schreibt unter seinem eigenen Namen Erzählungen.

King: Er hat für sich eine Nische gefunden, die des zeitgenössischen Autors, der über aktuelle Probleme schreibt. Da macht eine Kunstfigur keinen Sinn.

ZEIT: Die Hauptfigur Ihres Buches ist ein abgehalfterter Rockstar, Sie hören angeblich gerne Heavy-Metal-Musik. Haben Sie die Vorliebe von Ihrem Vater?

King: Das ist möglich. Er nahm mich mit acht auf ein Kiss-Konzert mit. Gene Simmons stand auf der Bühne, riss die Arme hoch und sang: I want to rock ’n’ roll all night. Danach bin ich eingeschlafen.

ZEIT: Es heißt, Sie mögen die Scorpions.

King: Bitte? Korrigieren Sie das sofort! Die Scorpions sind kitschig. Wind Of Change ist wie We Are The World – man kann es einfach nicht mehr hören.

 

Copyright des Interviews by DIE ZEIT

 

   
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