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KING ÜBER ROSE RED

gekürzt und frei übersetzt von Veit Lindhorst-Emme



Ich schrieb mal im Vorwort eines Kurzgeschichtenbandes (Nightmares & Dreamscapes), dass mich als Kind all die Wunder und freakigen Monstrositäten fasziniert haben, die in Ripley's Believe It or Not! zu finden waren, einem Comic aus den 50ern und 60ern. In Ripley's fand das suchende Auge Kühe mit zwei Köpfen, Gefangene die Bomben bauten, indem sie das Celluloid von den Rückseiten der Spielkarten kratzten, Hunde die rechnen konnten, Leute die phantastische 120 Jahre alt wurden und Papageien, die die Unabhängigkeitserklärung rezitieren konnten (nah, dieses habe ich gerade selbst ausgedacht).

Eine dieser Geschichten die mir nie aus dem Kopf ging, war die des Winchester Anwesens in San Jose, California. War die Geschichte wahr? Ich weiß es nicht. Die Glaubwürdigkeit von "Believe it or not!" war nicht die selbe wie die des Verbraucherbüros, doch es war eine von diesen Stories von denen man sagt: "Wenn sie nicht wahr ist, bei Gott sie sollte es sein!"

Nach "Believe it or not!" hinterließ Oliver Winchester, der das berühmte Winchester-Gewehr erfand, eine, an Spirituellem glaubende, Schwiegertochter. In einer Seance fragte Sarah Winchester das Medium, "Wann werde ich sterben?"

Anstatt in den Chorus von "Que Sera, Sera" zu verfallen antwortete das Medium, "Wenn dein Haus fertiggestellt ist."

Madame Winchester entschloss sich dann, dass das Haus niemals fertiggestellt werden würde und für den Rest ihres langen Lebens, -sie starb mit 82- , hörte sie nicht auf Räume, Gänge Flure und ganze Flügel anzubauen.

Zu einem Zeitpunkt, Jahre nachdem ich diesen faszinierenden Leckerbissen gelesen hatte, kam mir der Gedanke, dass ein guter Roman in dieser Story vom niemals-fertigen-Haus stecken könnte. "Wahrscheinlich", dachte ich "würde das Haus an einem gewissen Punkt übernehmen...und anfangen sich selbst zu bauen?" Ich liebte die Vorstellung von einem Haus, das von innen irgendwie größer war als von außen.

Ich war gedanklich ungefähr so weit, - keine Story, keine Charaktere, aber eine wundervolle ‚Location' - als Steven Spielberg mich anrief. Wir versuchten zuvor schon mal zusammen an ein paar Dingen zu arbeiteten, doch es kam nie zustande aufgrund von terminlichen Schwierigkeiten. Dieses mal war er fest entschlossen, und ich war, wie niemals zuvor, genauso angeregt wie er.

Die Sache mit Steven ist, dass er immer angeregt und immer enthusiastisch ist. Ich erinnere mich, wie ich ihn mit meinem jüngsten Sohn, Owen, Mitte der 80er in den Amblin-Studios besuchte. Owen war sieben oder acht und war verzaubert von E.T.. Steven wollte ihm eine E.T.-Uhr geben, doch als er sie holte war sie kaputt. Owen's Gesicht erschlaffte als er bemerkte, dass das Fahrrad mit E.T. im Korb nicht über den Mond fliegen würde, wie es das Fahrrad eigentlich tun sollte.

Steven sah sich die Uhr an, und sprach während er daran arbeitete. Er sprach von vielen bemerkenswerten Ideen zu Filmen, Sequenzen in Filmen, und über Kameraperspektiven in Sequenzen von Filmen...und hörte nicht auf. Zu irgendeinem Zeitpunkt, ohne zu schauen was er überhaupt tat, stellte er fest das die Batterien falsch herum in der Uhr saßen und setzte sie richtig ein. Owen war erfreut. Und ich auch. Seit diesem Zeitpunkt bin ich ein Fan von seiner Arbeit; seine Freundlichkeit gegenüber meinem Sohn machte mich zum Fan des Mannes und seiner Arbeit.

Auf jeden Fall wollte Steven ein Spuk-Haus-Film machen, aber nicht irgendeinen Spuk-Haus-Film; in typischer Steven Spielberg Tradition, sondern er wollte den gruseligsten Spuk-Haus-Film machen, den es je gab. Er fragte mich ob ich irgendwelche Ideen hätte. Ich erinnerte mich an mein Spuk-Anwesen (im Geiste bereits Rose Red benannt) und erzählte ihm, dass da vielleicht etwas in meinem alten Ideen-Schrank wäre; Gib mir ein paar Tage, sagte ich, vielleicht kann ich dann ein Paar Dinge zusammenschustern. Eine Grabstätte mit Aussicht, sozusagen... he-heh-heh.

Wie bei Shirleys Jackson's "The Haunting of Hill House" begann auch meine Geschichte mit einer Gruppe von übersinnlich Begabten, doch mein Professor war eine Frau und die Suche nach dem Übersinnlichen war nicht bloß ihr Hobby sondern ihr Lebensziel. Sie war eine Art Ms. Ahab, und sie suchte den Moment einer alles beweisenden Existenz des übersinnlichen Phänomen, genauso wie Melville's Kapitän mit einer immer größer und zerstörerischer werdende Zwanghaftigkeit den weißen Wal gesucht hat, der ihm sein Bein genommen hat.

Jackson's These war, dass Geister die Kinder einer gestörten Seele sind. Es ist eine gültige Idee, und eine gewagte, doch ich bewahrte meine kindische Liebe zum unbehaglichen Tod und wollte das es in Rose Red wirklich spukt. Und ich dachte mir, solch ein Ort muss verzweifelt nach frischer menschlicher Energie gieren, nachdem es solange still stand. Warum? Um mit seinem unersättlichem Wunsch zu wachsen fortzufahren. Das Haus wurde in meiner Phantasie eine riesige lebende Einheit. Die Gruppe der Übersinnlichen begibt sich unter der Vermutung in das Haus, es handele sich um eine "tote Zelle". Joyce Reardon, ihr total verrückter Kapitän weiß es besser; Joyce weiß, dass das Haus lediglich schläft. Sie will es aufwecken und die Konsequenzen sind ihr gleichgültig.

Steven mochte meine Behandlung dieser Idee, und ich schrieb ein Skript, doch der zweite Entwurf geriet ein wenig zu lang. Sollte ich Steven Spielberg dafür rügen oder danken? Warum nicht beides.

Es war diese höllische "Mit-der-Uhr-spielen-bis-sie-funktioniert" Sache. Er kam immer wieder mit neuen Ideen für neuen Sequenzen und überraschenden Wendungen. In mancherlei Hinsicht wäre es besser gewesen, wenn ein paar der Ideen schlechte gewesen wären. Statt dessen, schien mir eine Idee besser als die andere. (es war Steven's Idee, dass die Forscher Geräusche von Sägen und Hämmern hören sollten wenn sich das Haus selbst aufbaut.)
Schließlich wuchs das Skript wirr und willkürlich und wurde sperrig, und das wussten wir beide.

Viel Zeit verging. Wäre dies ein Film würde man jetzt sehen wie sich die Seiten eines Kalenders wie von Geisterhand lösen und davonfliegen. Andere Ideen für andere Filme lagen auf Steven's Schreibtisch; genau so wie bei mir. Ich musste ein Buch zuende bringen, das ich meinen Verlegern versprochen hatte. Das Problem bei dieser zweigleisigen Karriere ist, dass es immer ein Buch gibt das, aufgrund eines Filmprojekts, vernachlässigt wird oder ein Filmprojekt das vernachlässigt wird, da noch ein Buch zu schreiben ist.

Zwei Jahre vergingen. In den Jahren adaptierte ich meine Romane THE STAND (1994) und THE SHINING (1997) für ABC, und dann das ausschließlich fürs Fernsehen produzierte Projekt STORM OF THE CENTURY (1999)ebenfalls bei ABC. Ich genoss die Arbeit an STORM OF THE CENTURY weitaus mehr als bei den vorherigen Produktionen, da es eine brandneue Story für ein brandneues Medium war. Auch die Arbeit und Beziehung zu ABC wurde immer offener und reizvoller, da sie auf meine Wünsche eingingen.

Ich wollte wieder ein Projekt ausschließlich fürs Fernsehen starten, und da kam mir ROSE RED in den Kopf.Ich spielte zuvor schon mit dem Gedanken aus dem ROSE RED-Stoff einen dicken, fetten, angsteinflößenden Roman zu machen, da der Stoff immer länger seien wollte als es ein Filmskript zuläßt.

Trotz riesigem Budget für Set und Special Effects sagte ABC: "OK". Wir filmten diese Miniserie, die, wie ich meine, Steven Spielberg's ursprünglichen Ambitionen durchaus gerecht wird: Der furchteinflößenste Spukhaus-Film der je gemacht wurde,

Wenn Sie ihn mögen, danken Sie Steven.

Wenn sie zu sehr angst haben um die letzten 30 Minuten zu sehen, und wegzappen müssen geben sie Stephen die Schuld.




Quelle:





   
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