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Zusammenfassung verschiedener

Presserezensionen zu Stephen King

 

( von www.perlentaucher.de )

 

Atlantis

 

Die Tageszeitung - vom 13.10.1999
Hart geht Anke Westphal hier mit Stephen King ins Gericht, dem sie - wie eine Lehrerin dem Schuljungen - gehörig "die Ohren lang zieht": Es sei nun mal wenig vorteilhaft, wenn der Autor "epische Breite mit Tiefe, Thema oder Poetik" verwechsle. Und außerdem sei in einem klassischen Roman die Sprache nun mal nicht "um der Effekte willen da". Gnadenlos zeigt sie sich auch im Urteil über Kings unsouveräne Personenführung und ist darüber hinaus der Ansicht, dass das Buch zu allem Überfluss auch noch in fünf einzelne Teile zerfällt! Angesichts dieses Sammelsuriums an Pleiten mag sie wirklich nicht nachvollziehen, weshalb King ausgerechnet diesen Roman für das wichtigste seiner fünfzig Bücher hält. Wäre er doch nur bei der Horrorliteratur geblieben! So findet sie dann auch, dass der "gelungenste" (der Leser fragt sich angesichts des vorangegangenen Totalverrisses unwillkürlich, wieso hier ein Komparativ zum Einsatz gebracht wird) Teil des Buches denn auch der ist, der die größte Nähe zum Genre des Grauens aufweist.

 

On Writing

Frankfurter Allgemeine Zeitung - vom 17.10.2000
Wer die ganze flackernde Blauäugigkeit von Kings erstem nichtfiktionalen Buch ermessen wolle, rät der Schriftsteller und Rezensent Georg Klein, der solle sich vorher eine Nacht mit einem Kingroman wie `Friedhof der Kuscheltiere` um die europäischen Ohren schlagen. Da könne man nämlich in den Abgrund hinter dreihundert Seiten amerikanischer Flachheit blicken. Aber dieser Ratschlag kommt erst am Ende. Vorher hat sich der Kritiker durch ein Wechselbad der Gefühle diesem Buch gegenüber hindurchgearbeitet: Am Anfang wirkt er fast gekränkt, nur einer von Hundertausenden von Lesern zu sein. Dann folgt eine gewisse Verwunderung, über Kings missionarische Tonlage und die `dreiste Dominanz` seiner `dürftigen Ratschläge`. Später Rührung, wie ungeschickt der Bestsellerautor um seine dämonische Muse wirbt. Schließlich echter Ärger, der sich in der Frage entlädt: `Wer sind wir, dass King meint, uns den amerikanischen Bären aufbinden zu müssen?` Dann zitiert Klein seine Lieblingsstelle aus Kings Buch über das Bücherschreiben: `Ohne den treuen Leser sind wir nur quackende Stimmen im Nichts`.
Frankfurter Rundschau - vom 15.02.2001 Die große Fangemeinde mag wohl enttäuscht sein, aber die Neuerscheinung aus der Feder von Stephen King, warnt Rezensent Rüdiger Wartusch, inszeniert keine neue Horrorvision. Dieses Buch sei vielmehr eine Art Anleitung für alle, die sich eine Zukunft als Bestsellerautor erträumen. King plaudere aus dem Nähkästchen, gebe praktische Handlungsanweisungen, thematisiere die Frage, wo die Ideen herkommen und erkläre Funktionsweisen und Hintergründe des Buchmarktes. Er ist bei alledem, findet Wartusch, erstaunlich ehrlich, wenn er sich selbstkritisch zu dem ein oder anderen seiner Bücher äußert. So richtig fesselnd findet der Rezensent dieses Buch jedoch nicht. Mit Spannung las er lediglich den Schluss, wo King über sein Leben nach einem schweren Unfall schreibt, bei dem er ums Haar gestorben wäre.

 

Duddits

 

Süddeutsche Zeitung - vom 31.03.2001
Einem "close encounter" der extra brutalen Art hat Rezensent Fritz Göttler, wie er selbst sagt, beigewohnt. Zu danken ist das der Kunst des Autors, die Göttler beschreibt als eine Fusion von Horror und Science Fiction, durch die sich "die Ängste von ganz draußen als Vibrationen (erweisen), die im Innern des Körpers Angstgefühle auslösen". Doch wie geht das vor sich? Außer der, wie Göttler weiß, bei diesem Autor stets engen Symbiose des Vegetativen mit dem Fleischlichen und den exzessiven Momenten körperlicher Pein, fällt dem Rezensenten dazu wenig ein: "Noch quälender sind die Beschreibungen der Schizophrenie, wenn das eigene Ich zum Schauplatz eines Psycho-Dramas wird, wenn ein Fremder von draußen dieses Terrain zu besetzen droht." Das wäre eine genauere Untersuchung wert gewesen. Allein Göttler verliert sich in bizarren Spekulationen: Der Roman, so teilt er dem erstaunten Leser mit, habe deshalb eine starke Beziehung zum Flüssigen, weil King ihn mit einem Waterman-Patronen-Füller geschrieben hat.
Die Zeit - vom 10.05.2001
Das Buch gefällt dem Rezensenten wie "einer dieser seltsamen Cocktails, die dann aber gar nicht so schlecht schmecken". "Gar nicht so schlecht", meint Jochen Jung - das sei freilich so ziemlich das Vernichtendste, was man über Literatur sagen kann. Und wirklich, vernichtend ist es ja auch, wenn der Rezensent schreibt, der Roman sei um die Hälfte zu lang. Um die Hälfte! Jemand sollte's ihm sagen, dem King, wie er doppelmoppelt, meint Jung, und sagt's also. Und sagt auch, dass es ihn ekelt, dieses außerliterarisch Relevante (Furzen, Rülpsen etc.), dass es ihn langweilt, diese Geheimniskrämerei (alles, was der Exposition folgt), und dass es ihn heiß und kalt erwischt, wenn King seine Figuren vorstellt (die Exposition) - das nun wieder nämlich sei schlicht "das Leben, Scheiße, ja", und gehöre "zum Besten, was amerikanische Autoren in der letzten Zeit geschrieben haben."
Frankfurter Allgemeine Zeitung - vom 23.06.2001
Erst sieht es aus, als bestehe die einzige Angst, die Rezensent Wolfgang Schneider dieser Horrorroman einjagte, darin, dass ihm das Buch auf den Fuß fallen könnte: denn es ist 830 Seiten stark. Dann holt Schneider erst einmal zu einer King-Verteidigung aus: Der schreibe nämlich "längst nicht so schlecht", wie seine Kritiker behaupteten. Im Gegenteil, King gehöre zu den "großen epischen Talenten seiner Generation". "Hochbegabten Schund" nennt Schneider, was King so schreibt und ist dann schon mitten drin im Buch. Wir lernen also die Protagonisten kennen, "eine Gruppe alter Jugendfreunde" um die vierzig, denen eines Tages im Wald ein Mann begegnet, aus dessen "zerfetzten Därmen" sich ein Monster windet. Mit bloßen Worten überbiete King hier sämtliche Splatterfantasien, meint Schneider und deutet an, dass sich "von hier aus" eine komplizierte und "geradezu monumentale Handlung" entwickele. Einigermaßen beeindruckt schildert uns der Rezensent dann weniger die der Welt drohende Katastrophe als ihr episches Ausmaß in diesem Roman. Rückblenden, "paranoide Militärszenen", grassierende Telepathie - in der Mitte würde sich das Buch "ganz in Träume und Bewusstseinsströme unbekannter Herkunft" auflösen. Und hier kündigt dann Wolfgang Schneider Stephen King die Gefolgschaft als Leser auf. Reichlich unschlüssig, wettert er, bewege sich dieser Roman zwischen "Angriff der Killertomaten" und "Gravity's Rainbow" hin und her. Am Ende blickt unser Rezensent trotzdem einigermaßen dankbar "in die eigene mittelmäßige, aber doch relativ monsterfreie Welt".

 

Der Buick

Süddeutsche Zeitung - vom 19.03.2002
Wie schafft es der "meistverkaufte Autor" (sic) der Welt, aus einer schwachsinnigen Grundidee ein vernünftiges Buch zu entwickeln? Diese Frage beschäftigt Rezensent Stewart O' Nan, selbst US-Autor, in seiner Besprechung des neuen Stephen-King-Roman "Buick": der Geschichte über ein spukendes, verwunschenes Auto, in dem ein fremdes Wesen steckt. Originell sei King nicht sonderlich, ist O'Nans erste Diagnose: Als "Meister der Wiederverwertung" nehme King seine eigenen "gebrauchten Geschichten" und bringe sie zum Laufen, "als seien sie alte Autos". Und zwar Oldtimer, die ihm besonders am Herzen lägen: Nur weil King selbst an seine Geschichten glaube, könne er sie glaubhaft erzählen, gewinne also selbst ein "Schwachsinnsauto an Wahrheit, an Blech und Gewicht". Aber O'Nan beschränkt sich bei seiner lesenwerten Analyse nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf Erzähltechniken des Königs. Wie schon in dessen Klassiker "Christine" oder "The Green Mile" beherrsche es King, eine komplexe Erzählung zu weben: etwa mit Voraus- oder Andeutungen oder Rückblicken, die auch "Buick" in Bewegung hielten. Dennoch, so O'Nans Fazit, gehöre der neue Roman nicht zu den elegantesten aus dem Kingschen Oeuvre. Er wirke "zuweilen wie ein Flickenteppich, mit willkürlich geordneten Dialogen und Perspektivwechseln". Außerdem hätte sich O'Nan mehr lokale Details, ein bisschen mehr Kolorit gewünscht. "Aber auch das", schließt O'Nan versöhnlich, "ist kein großer Schaden".
Frankfurter Allgemeine Zeitung - vom 12.04.2002
Etwas gemischte Gefühle hat Dietmar Dath zu diesem neuen Roman von Stephen King und scheint sich dabei selbst nicht sicher zu sein, ob die neuen erzählerischen Qualitäten, die King hier entwickelt (Kings Protagonisten bezeichnet Dath etwa als "beinah Beckettsche Gestalten") die Abkehr von seiner alten Erzählformel, "das Menschliche nicht mehr bei den Menschen zu suchen, sondern bei den Sachen" wettmachen. "Näher am Traum hat King noch nie geschrieben", befindet Dath, aber so richtig zufrieden ist er mit dem Ergebnis nicht. Zu viel bleibt dabei im Dunkeln, und entschädigt wird man "für die alptraumhafte Vagheit des Gesamtzusammenhangs durch grell ausgeleuchtete Einzelheiten" auch nicht wirklich. So bleibt bei ihm der Eindruck, dass King etwas altersmüde geworden ist und dass auch ihm, wie der Welt, die er beschreibt, langsam die Ressourcen ausgehen.
Die Tageszeitung - vom 16.04.2002
Was Niels Werber von Stephen Kings neuestem Roman wirklich hält, ob er ein Fan von ihm ist oder nicht, wird aus seiner Kritik nicht wirklich ersichtlich. Wir unterstellen es ihm einfach. Klar wird jedenfalls, dass es sich hier nicht um einen üblichen King-Roman handelt. Zwar stellt "Der Buick" eines der üblichen "fantastischen Schwellenphänomene" dar, schreibt Werber, das alles Mögliche verschwinden oder auftauchen lassen kann, eben kein normales Auto ist, doch komme es King diesmal nicht auf das Gruseln oder die "Irritation unseres Alltagsverständnisses" an, sondern ihm gehe es um den Prozess des Erzählens selbst: erinnern, vergessen. Der Buick, soviel verrät Werber, gehört zu einem Polizeitrupp, der das mysteriöse Gefährt quasi in seine "Firmengeschichte" integriert hat; so ranken sich viele Stories um den Wagen, der zwei Angehörigen der Truppe sogar das Leben gekostet hat. Die Polizisten entfalteten eine Art "kollektives Gedächtnis", auch die Erzählerperspektive wechsele häufig, schreibt Werber; das Geheimnis um den Buick bleibe unlösbar, die sich immer erneuernde Geschichte ohne Pointe.

Das schwarze Haus

Die Tageszeitung - vom 22.10.2002
Die Grenzen des Horror- und Fantasy-Genres erfährt Andreas Merkel in dem neuen Gemeinschaftswerk von Stephen King und Peter Straub. Der Plot dreht sich um den "Superbullen Jack 'Hollywood' Sawyer", der in einer abgelegenen und idyllischen Kleinstadt in den Wäldern von Wisconsin einen Serienkiller jagt, welcher kleine Kinder verspeist. Wer der Täter ist, "wird schnell klar", aber nicht verraten. Merkel findet das "Porträt einer amerikanischen Kleinstadt", in der "Biker schon mal Derrida zitieren", durchaus gelungen. Weniger gefesselt ist er jedoch von der mit parapsychologischen Motiven aufbereiteten Gegenwelt, in der der Held gegen das Böse kämpfen muss. Hier bangt Merkel "eben nicht wirklich um Helden, denen immer noch ein Zauberwort" oder ein" plötzlich aus dem Baseballschläger kommender Laser-Strahl aus jeder Klemme hilft", und der Horror "fällt in sich zusammen".

Der Turm

Süddeutsche Zeitung - vom 16.02.2005
Auch wenn der Rezensent Burkhard Müller durchaus Spaß hat an diesem letzten Teil von Stephen Kings siebenbändigem Horror-Fantasy-Roman, das ganz klassisch die Suche nach einem gralsartigen Objekt episodenweise erzählt, findet er doch den Subtext der Erzählung mehr als bedenklich. Zum einen macht ihm Sorgen, was er in dem Buch über die derzeitige US-amerikanische Befindlichkeit herauszulesen meint, denn "Stephen King ist, bei aller Phantastik, immer der Seismograf Amerikas gewesen". Diesmal malt er das Bild einer paranoiden Gesellschaft, die "nicht die mindeste Fähigkeit und Lust mehr hat, über ihre Nasenspitze hinauszudenken und sich mit der Welt zu verständigen". Zum anderen macht sich Müller Sorgen über den Geisteszustand des Autoren selbst, der auf ihn etwas wahnhaft wirkt: "Wenn jemand glaubt dementieren zu müssen, dass er Gott sei, sollte man genau hinhören. King, diesen Eindruck gewinnt man beim Lesen, steht dem stillvergnügten Irrsinn des Professors Tolkien schon ziemlich nahe". Wenn man all diese Aspekte ausblendet, kann man trotz der Übersetzung, die den amerikanischen Slang des Buches nicht ganz schlüssig ins Deutsche überträgt, an der Lektüre durchaus seine Freude haben, denn King versteht sich auf "den lustbesetzten unendlichen Aufschub des Erzählens".

   
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